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Verein der ehemaligen
Ministranten Östringen

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Pilgerreise Santiago-Nordspanien 2005

 

In den Tagen vor Ostern im Jahr 2005 machten sich 6 Mitglieder des VdeM auf eine beeindruckende Reise nach Santiago de Compostella. Mit diesem kurzen Bericht möchten wir alle interessierten Leser einladen, sich nachträglich zusammen mit uns auf den Weg zu machen.

Die Pilgerfahrt bestand aus 2 Teil. Zuerst der 120 km lange Fußmarsch auf dem Camino de Santiago von Sarria nach Santiago de Compostella, an das Grab des heiligen Jacobus, dann die Weiterfahrt quer durch Nordspanien in das kleine Dörfchen Sankt Vincente, in dem noch ein recht eigentümlicher Brauch gepflegt wird

  

1. Reisetag, Fr. 18.03.05: Östringen - Sarria

 

Wir trafen uns um 6.30 in der Pfarrkirche St. Cäcilia um von unserem Gemeindepfarrer Hr. Rothermel den Pilgersegen zu erhalten. Nach dem Transfer zum Flughafen Stuttgart, dem Einchecken am Schalter konnten wir gegen 12.00 h den Flug mit Air Berlin nach Madrid antreten. Am Zielflughafen übernahmen wir unser Mietfahrzeug und kamen nach einer abwechslungsreichen Berg- und Talfahrt in Sarria an. Besonders die letzten 25 km dieser Tagesstrecke hatten es in sich.

 

 

 

 

Bei völliger Dunkelheit und teilweise ohne Gewissheit, welch  Richtung die Straße wohl als nächstes nehmen würde, kamen wir um 23 h dann doch noch in Sarria an. Das Hotelfanden wir, wie auch an den meisten anderen Tagen problemlos. Die vorliebe der Spanier abends spät zum essen zu gehen bescherte uns allen noch ein deftiges Abendbrot.

 

 

 

2. Reisetag, Sa. 19.03.05: Sarria – Portomarin

 

 

 Nach auffrischen von Lebensmittelvorräten machten wir uns daran, die erste von 5 Etappen zu bewältigen. Diese führte uns durch eine grüne, hügelige Landschaft und vorbei an kleinen Gehöften, welche, so schien es, schon seit den Tage der ersten Pilger ihren festen Platz an diesem Weg haben.

 

 

 

 

 

Der Streckenführung war nicht immer einfach aber dafür sehr abwechslungsreich. An Wassermangel scheint diese Region Spaniens nicht zu leiden, was wir in den nächsten Tagen immer wieder gesehen und auch gespürt hatten. An diesem Tag kamen wir jedoch trocken an unserem Etappenziel, dem Dörfchen Portomarin an.

 

 

 

3. Reisetag, So. 20.03.05. Portomarin – Palas de Rei

Die Lebensmittel vom Vortag waren noch nicht aufgebraucht, so konnten wir uns an diesem Tag direkt auf den Weg machen.. Jeder fand für sich die geeignete Marschgeschwindigkeit.  Auch wenn manchmal zur Eile gemahnt werden musst so blieb doch oft genug Zeit seinen Gedanken nachzuhängen und den Weg auf sich wirken zu lassen der immer wieder mit kuriosem überraschte.

 

 

 

 

Sei es die uralte Natur oder ein kleine Kapelle in der Pilger Berge von Wünschen und Steinen die auf der Seele lasten loswerden  können.

 

 

 

 

 

Zufrieden kommen wir auch heute wider an unser geplantes Etappenziel, kurz vor der Ortschaft Palas de Rei und übernehmen unsere Quartiere.

 

4. Reisetag. Mo. 21.03.05. Palas de Rei – Arzua

 

 

Als wir an diesem Morgen aufstanden war allen klar, heute wird’s ein harter Tag. Zum einen lag eine 29 km Strecke vor uns und zum anderen zeigte sich  das Wetter von seiner besten Seite mit Regen und zum Teil starkem Wind. Nichts desto trotz brachen wir auf, schließlich ist ein Pilger ja nicht aus Zucker. Hin und wieder fand sich auch ein Unterstand um diverse stärkeren Regengüsse abzuwettern oder nasse Klamotte zu wechseln.

 

 

 

 

Unterwegs trafen wir, abgesehen von anderen Pilgergruppen immer wieder auf unsere ständigen Wegbegleiter. Die Meilensteine des Camino de Santiago, welche einmal die Entfernung nach Santiago de Compostella anzeigen und was viel wichtiger ist, die Richtung in der man gehen muss. Gerne wird die Gelegenheit genutzt,  wieder einen symbolische Stein abzulegen. Durchnässt kamen wir an unser vorverlegtes Etappenziel an. Die Strecke mussten wir an diesem Tag auf 25 km reduzieren

 

5. Reisetag, Di. 22.03.05: Arzua – Pedrouzo.

 

An diesem Tag mussten wir die verlorenen Kilometer vom Vortag aufholen. Kein Problem, die Etappe hatte eh nur geplante 20 km. Der Regen ist weg, der Wind noch da, so machten wir uns aufs neue auf den Weg.

Unsere Gruppe dehnte sich wieder und bestand zeitweise nur noch aus Einzelläufern, was zur Folge hatte, dass der eine oder andere etwas vom Weg abkam und sich dann querfeldein auf den rechten Weg zurückschlagen musste. Viele Kilometer werden somit an diesem Tag, wenn auch nicht ganz freiwillig, zusätzlich gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterwegs werden wir immer wieder durch verschiedene Skulpturen, Rastplätze und Herbergen an die vielen anderen Pilger erinnert, die diesen Weg schon gegangen sind, mit uns gerade gehen oder noch gehen werden. So manches Gesicht sieht man unterwegs des öfteren bei einer Rast oder auf dem Überholweg.

 

6. Reisetag, Mi. 23.03.05: Pedrouzo – Santiago de Compostella

 

Unsere letzte Wegstrecke lag an diesem Tage vor uns. Erleichtert aber auch etwas wehmütig machten wir uns auf den Weg. Er führte uns über sanfte Hügel, und durch duftende Pinienwälder. Die verbleibenden Kilometer schmolzen zusammen und das Ziel lagt in greifbarer Nähe. Bald trennte uns nur noch der Monte Gozo von Santiago. Der letzte Ansteigung auf besagten Berg verlangte uns nochmals alles ab, doch dann kamen schon die ersten Häuser Santiagos in  Sicht und die Schritte der Pilger wurden zusehends leichter. 

Das Ziel ist erreicht. Santiago de Compostella. Der Weg vom Ortseingang bis zur Altstadt war wieder gut beschildert. In der Altstadt selbst wurde es nochmals unübersichtlich. Wo bitte ist den hier die Kathedrale? Obwohl ein mächtiges Gebäude, so geht sie doch unter in dem Gewirr der Gassen und Häuser. Aber nach etwas suchen findet man sie doch und steht dann plötzlich vor dieser mächtigen Fassade. Nur noch den großen Platz überqueren und schon sind wir alle am Ziel angekommen. Gemeinsam betraten wir die Kathedrale und pilgern gemeinsam das letzte Stück zum Grab des heiligen Jacobus.

 

 

 

 

 

 







Wir waren dankbar dass alle
wohlbehalten angekommen sind und
jeder brachte seine persönlichen
Gedanken und  Gebete in aller
Stille vor Gott.

 

 








7. Reisetag, Do. 24.03.05: Santiago – Logronio

 

Wir besuchten noch die 11 Uhr Pilgermesse in der Kathedrale und verabschiedeten uns von Santiago. Der Aufenthalt in dieser wunderschönen Stadt war, wie so oft,  viel zu kurz. Aber wir hatten ja noch einiges an Weg vor uns und so machten wir uns auf den zweite Teil unserer Reise. Dieser führte uns, wie zu beginn erwähnt, 550 km quer durch Nordspanien bis nach San Vincente.

Also fuhren wir um ca. 13 h Uhr mit unserem Leihfahrzeug los. Die Landschaft wechselte  von hügeliges auf bergiges Gelände bis wir dann eine weite Ebene durchquerten. Bis kurz vor unserem Tagesziel blieb die Gegend dann unverändert. 

 

 

Unser Fahrer hielt sich tapfer und nach einer Rast, einem Fahrerwechsel und 7 Stunden Fahrt kamen wir in Logronio, unserem heutigen Tagesziel an. Die Stadt war recht groß, doch erstaunlicherweise fanden wir die Straße, in der unser Hotel lang, auf Anhieb. Leider war diese gesperrt da wieder einmal eine Prozessionen direkt an unserem Hotel vorbeizog. Wir beobachteten das Geschehen und bezogen Quartier sobald sich die Lage beruhigt hatte. Gleich anschließen erforschten wir die Stadt. Das Hotel lag direkt in der Altstadt und somit mitten im Geschehen, was uns allen sehr gelegen kam.

 

 

Überall auf den Straßen herrschte buntes Treiben. Prozessionen wechselten sich mit Kneipenscenen ab. Das ganze war eine höchst lebendig Mischung aus Kultur, Religion und Lebensfreude. Wir genossen alle diese Stimmung und erlebten einen höchst amüsanten Abend in dieser Stadt, einige von uns bis weit in die Morgenstunden hinein.

 

 

 

 

8. Reisetag, Fr. 25.03.05 Logronio – San Vincente.

 

 

Wir machen uns morgens auf den Weg  nach San Vincente. Die Straßen führten uns durch das bekannte Weinanbaugebiet Rioja, bis wir um 11h in San Vincente ankamen.  Dieses Dorf pflegt wie bereits erwähnt noch einen uralten Brauch, die Geislerprozession am Karfreitag. Das Dorf ist wie der Brauch uralt und bietet somit die richtige Kulisse für solch ein Ereignis. Begonnen wurde mit einer Prozession von der auf einer Anhöhe stehenden mächtigen Kirche des Dorfes bis zu einem Kreuzweg auf dem gegenüber liegenden Hügel.

 

 

 

Es war sehr windig, der aufgewirbelte Staub brannte uns in den Augen und bedeckte die Kleidung. Auf dem Rückweg begannen die Geisler ihr grausiges Handwerk, indem sie ihren entblößten Rücken mit einer Geisel traktierten. Das ganze machte auf uns einen eigenartigen Eindruck. Schwer nachvollziehbar was die Motivation ist, hierbei aktiv mitzuwirken. Trotzdem war es ein einmaliges Erlebnis, welches uns zu lebhaften Diskussionen anregte. Das ganze hatte auch etwas von einem Straßen-Fest. Es war viel Volk unterwegs, manche reisten sogar in Bussen an und der örtliche Weinkeller lud zur Weinprobe ein.

Wir nutzten das Angebot und kauften eine stattliche Menge dieses Weines ein. Nach einem kurzen Rundgang durch das Dorf machten wir uns gleich wieder auf den Weg. Wir mussten am nächsten Tag zurückfliegen und hatten beschlossen uns in der Nähe Bilbaos, an der Atlantikküste, eine Unterkunft für die Nacht zu suchen.

 

         

Wir fuhren also los, durchquerten wieder das Rioja-Gebiet und ein Teil des Baskenlandes, bis wir an den Atlantik kamen. In dem Städtchen in dem wir übernachten wollten, gab es nur 2 Hotels. Eines war ausgebucht das andere sehr abgewohnt. Also suchten wir weiter und wurden dann bei Anbruch der Dunkelheit im Nachbardorf fündig.

 

 

Gepäck ausladen, Zimmer beziehen und gleich wieder aufbrechen nach Bilbao. Schließlich möchten wir ja noch etwas von der Stadt sehen. Auch hier in Bilbao wieder die Prozessionen, dieses mal in schier unglaublicher Häufigkeit. Jedes Viertel hat hier anscheinend sein eigene Prozession. Die Stadt ist wunderschön und wir bummeln wieder einmal durch die Gassen der Altstadt. Spät am Abend und Todmüde verlassen wir Bilbao und kehren über Umwege zurück ins Hotel.

 

 

9. und letzter Reisetag, Sa. 26.03.05 Bilbao – Östringen.

 

Wir konnten an diesem Tag etwas länger schlafen und genehmigten uns im Hotel ein üppiges Frühstück. Dann packten wir ein letztes mal unsere Sachen zusammen und fuhren zum Flughafen Bilbao. Unser Fahrzeug konnten wir direkt im Parkhaus des Flughafens abgeben. Alles verlief reibungslos und so hatten wir noch genug Zeit das Treiben in der Abflughalle zu beobachten und uns über unsere Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen.

Wieder führte uns der Rückflug über Palma nach Stuttgart. Wir landeten planmäßig, wurden gleich von unserem Kurier eingesammelt und nach Östringen verbracht und beendeten, spät in der Nacht, unsere Pilgerreise an dem Punkt wo wir sie begonnen hatten, dem Kirchberg in Östringen..

Die Pilger von links nach rechts:

Norbert Baumann, Martin Huber, Michael Fischer, Peter Appel, Helmut Jochim, Hartwig Heinzmann



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